Kleiner Feigling

Der Rülpe wächst wie Unkraut und wächst aus all seinen Anziehsachen raus. Jetzt trägt er schon die Uraltmode vom Brömpfi auf – Rocky, der immer adrette Nachbarshund, zieht seit Wochen süffisant die Augenbraue hoch, wenn der Rülpe unter seinem Fenster entlangläuft. Mit Herrchen Joggen gehen gefällt ihm wohl gut, nur muss man dafür auch etwas um die Schultern haben. Einem Bulldozer-in-Training bringen die Menschen wohl kaum das Ziehen am Halsband bei. Aber lässt er sich vermessen, um ein schönes neues Geschirr zu bekommen? Nein, natürlich nicht. Unter Herrchens Schreibtisch versteckt er sich, denn vermessen werden ist ganz klar ein schwerer Verstoß gegen die Hunderechtskonvention. Wär das Frauchen mal besser zu Iris gefahren, um die Drecksarbeit auszulagern. Mit Mutti in der Hinterhand benimmt sich nämlich auch ein Rülpe vorbildlich. Mal sehen, was der Zuggeschirrmagier mit dem Zahlensalat macht, den das Frauchen geschickt hat. Wenn’s zu groß ausfällt, kann Abhilfe geschaffen werden: Der Rülpe wird schon was zu fressen finden. Zur Not gibt’s Mundraub an der Eisdiele.

Will to go

Der Rülpe zeigt jetzt bereits, dass er mit einer Aufgabe zufriedener ist als ohne. Trotz seiner 8 Monate (die A-chens sind seit 242 Tagen auf der Welt) läuft er aufgrund der sommerlichen Temperaturen noch nicht mit dem Frauchen. Nun hat er aber in den Ferien gelernt, dass Kopfarbeit angesagt ist, wenn sich das Rudel in Vollbesetzung zu einer bestimmten Stelle im Wald aufmacht. So ein Rülpe ist ja nicht sehr wählerisch und nimmt, was er kriegen kann. Daher stimmt er neuerdings ein freudiges Gekläff an, wenn es die Straße zum Wald hochgeht. Einen Husky muss man selbstverständlich nicht lange zum Heulen überreden, weshalb der Althund rasch mit einstimmt. Lauft um Euer Leben, Ihr Eichhörnchen! Wir sind da, wir sind da!

Yoga mit Hund

Sehr trendige Sportart, das Yoga mit Hund. Wer sich mal gefragt hat, wie das aussieht – siehe oben. Wer sich weiterhin fragt, wie das klingt – laut AUA AUA machen und nicht lachen, wenn im herabschauenden Hund fragend in den Popo gezwickt oder im heraufschauenden Hund über die Nase geschlabbert wird.

Gib mir!

Eine der treibenden Kräfte für die (Weiter-) Entwicklung von menschlichen Sprachen ist Faulheit. Genauer gesagt, Mundfaulheit. Das fängt im Kleinen an, zum Beispiel wenn ein Vokal vor einem nasalen Laut zu näseln beginnt.1 Im Großen verlieren wir manchmal ganze Fälle, weil dem kann man auch so sprechen, ohne dem Genitiv.2 Am Ende ist es ein grunddemokratischer Prozess und die Faulheit der Vielen siegt immer über den Perfektionismus der Wenigen.3 Und wer sind schon die Menschen im Rudel, sich gegen eine solche Übermacht zu stellen?

Als der Rülpe noch ein Welpe war, lernte er, den Menschen vor dem Abbeißen von Fingern dem Futtern eines Leckerlis in die Augen zu schauen. Das war, es ist noch nicht so lange her, gut eingespielt und der Welpe duldete eine klare Distinktion zwischen Blick nach oben und Leckerlifressen. Im Laufe der Zeit – man hat es ja immer eilig und muss zudem all die täglichen Kleinigkeiten im Kopf behalten – schliff sich das zu einem fixen Naseheben, gern auch in Richtung Ellenbogen, ab. Wieder ein paar Monate später hat der Welpe die Geste zu zwei Mal Nase heben verschmolzen. Es bedeutet „gib mir!“.4

Herrchen futtert saftige Erdbeeren? Gib mir! Frauchen trägt Naschis in Richtung Obergeschoss? Da kann man sie auf der Treppe stellen und sehr eindeutig „gib mir!“ machen! Wenn das Dummerli es nicht versteht, ist man wenigstens schon fast auf der Höhe der Kalorien. „Gib mir!“ ist hier eine häufig gebrauchte Vokabel von Rülpenseite, denn er hat nicht nur Sisko sehr gut zugehört, sondern wird auch chronisch unterfüttert. Deswegen positioniert sich der Rülpe seit neuestem vor dem Kühlschrank oder Herd und hebt zwei Mal rasch hintereinander die Nase…

Leider gibt’s keine Bilder vom „gib mir!“, sondern nur vom „da, hast du.“

Rülpe zur See

Für den schönen Sommertag heute war ein lang geplanter Ausflug in den Kalender eingetragen: Tretbootfahren auf der Lahn. Die mutigsten Hunde, die je im Rudel gewohnt haben, sprangen ohne zu zögern auf das gemietete Tretboot und ließen sich hochherrschaftlich über den trägen Fluss schippern. Sorgen im Vorfeld, ob das schnöde Hundefutter Anreiz genug wäre, um sie auf das wackelige Bootchen zu locken, stellten sich als unbegründet heraus. Dieses Mal musste auch kein Hund gegen seine Würde getragen werden. Huskies scheinen seetüchtiger als Malamute oder Mischlinge zu sein. Das heißt natürlich nicht, dass der Rülpe nicht direkt nach dem Übersetzen auf das Boot die Leckerchentasche geplündert hätte. Wenn das Frauchen die auch offen lässt und sich um das Seil am Bootssteg kümmert…

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Ein neuer Geschmack

Wem der lange Sermon im letzten Post zu anstrengend ist, es gibt aus den Ferien noch ein Rülpen-Kurzabenteuer. Wie bereits mehrfach berichtet, hat der Rülpe eine große Leidenschaft im Leben: Fressi. Da das Frauchen das auch gerne macht und ihr Vergnügen am liebsten mit dem Rülpen teilt, lernte er diese Woche Kokosnuss kennen. Und ganz entgegen seiner Natur fraß er nicht direkt seine Zuteilung und quengelte danach nach mehr, weil er vergessen hatte, auf den Geschmack zu achten. Kokosnuss schmeckt zwar, aber anfangs war’s ihm doch eher suspekt…

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Ferien!

In voller Gassimontur stand das Herrchen an der Haustür bereit, um den quengelnden Rülpen zum Aufwachgassi zu bringen. Es war kurz nach acht. Frauchen schlief noch einigermaßen selig, als Pfoten sich gut hörbar dem Schlafzimmer näherten. „WUÄFF, WUÄFF!“ „WAS? WAS? WO SIND DIE RUSSEN?“ Frauchen und der Althund standen senkrecht im Bett. Der Rülpe, sehr zufrieden mit sich und seinem Werk, tapste Richtung Herrchen und neigte sein Sinnen wieder dem Morgengeschäft zu. Das Rudel hat Ferien und heute sollte endlich mal was passieren, da können die doch nicht faul im Bett rumliegen!

Außer Schlafen war nämlich bisher noch nicht viel Action in den Ferien. Morgens raffen sich die Menschen allerdings regelmäßig auf und spendieren den Hunden ein Übungs- und Spielgassi. Anti-Jagd-Training, Leinenführigkeit (mit und ohne Leine) und Dummysuchen im Wald, das strengt körperlich und geistig ein bisschen an und lässt die Menschen danach ein paar Stündchen weiterschlafen. Der Rülpe tut sich mit dem Apportieren des Dummys noch sehr schwer, zumindest nimmt er ihn aber mittlerweile ins Maul. Heute verteidigte er das gute Stück sogar vor einem kleinen Mops,1 der um die Kurve geschossen kam. Wie immer respektvoll, aber der Schreck hat nicht ausgereicht, um den Dummy zum Frauchen zu bringen. Die Strategie des Rülpen ist – anders als bei Onkel Sisko, der sich selbst zu helfen weiß – sich einfach auf oder vor den Dummy zu setzen und darauf zu warten, dass das Frauchen irgendwann die Geduld verliert. Frauchen verliert immer irgendwann die Geduld, wie man gleich in vivo beobachten kann.

Nun, heute hat das Frauchen mal ein bisschen was für die Nachwelt festgehalten. Es gibt, so die Technik will, zwei Videos und eine Bildergalerie von der wohlverdienten Belohnung nach der harten Arbeit im Ufercafé. Das erste Video ist vom Klick-für-Blick Üben aus dem AJT Programm, das die Menschen dem Bubs aufdrücken, weil es beim Althund so gut geklappt hat.2 Der Rülpe hat das Spiel schon längst durchschaut und versucht, das Frauchen zum Leckerchenspender umzufunktionieren, weswegen nicht mehr jeder Blick belohnt wird. Weitere Bausteine des Programms wie der Superschlachtruf, „raus da“, „weiter“ und allerlei Impulskontrolle und Aufmerksamkeitslenkung wurden bereits seit Monaten aufgebaut. Das klappt alles je nach Hormonlage sehr gut oder mäßig. Mäßig heißt in dem Fall, dass man den Rülpen wegscheuchen oder zu einem Spiel animieren muss. Pathologischer Jagdwahn, wie man ihn beim Althund früher gewohnt war, trat bisher – toitoitoi – noch nicht auf. Der Superschlachtruf ist zudem nützlich, um den Rülpen von verwesten Snacks wegzulocken. Einige Jäger im Revier sind unglaubliche Ferkel und lassen ihre Reste direkt am Wegrand gammeln…

Der Tag war dann doch recht ereignisreich, jetzt können alle weiterschlafen. *gähn*

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Die Kühldecken

Es gibt wieder Neuigkeiten aus der Rubrik „Geld, das man für Welpen rauswerfen kann“. Die Kahnawakehuskies bleiben im Sommer durch den Einsatz von Kühlmatten in den Autoboxen und zuhause angenehm temperiert. Was für Mutti und Onkel Sisko gut ist, kann für den Rülpen nicht schlecht sein. Dachte das Frauchen. Also wurde Iris um eine Produktempfehlung angehauen und Kühldecken angeschafft. Die Hunde würden die Kühle an heißen Abenden sicher zu schätzen wissen. Dachte das Frauchen. In der letzten Hitzewelle wurden die guten Stücke also wie in der Packungsbeilage beschrieben angekühlt und auf die Liegeplätze drapiert. Wer wollte auf gar keinen Fall drauf? Richtig, die Hunde. Selbst mit begehrten Verlockungen wie Frauchens Buttermilchglas hat der Rülpe maximal eine Zehe auf die Kühldecke gehalten, und auch das nur für einige Millisekunden. Aber im Unterschied zu langweiligen Kauringen, Bürsten oder zu klein gewordenen Geschirren haben die Kühlmatten ein neues Zuhause gefunden, an dem sie innig geliebt werden: Frauchens Bettseite. So wohl temperiert hat das Frauchen im Sommer noch nie geschlafen! Also, dann doch, danke Mutti Kira und Onkel Sisko für’s vormachen.

Vorfreude muss auch mal sein

In all dem Hormonchaos erschöpfen sich manchmal die Schabernackbestände im Rülpen und man bekommt einen Vorgeschmack auf das Leben nach der Umbauphase. Das Frauchen vermutet, dass das ziemlich schön werden wird.

Zuletzt gingen die Huskies und ihr Frauchen mehrere Gassis hintereinander – man könnte schon fast von einer Serie sprechen – lehrbuchmäßig spazieren. Jeder Hund hatte sich ruhig neben dem Frauchen eingeordnet, der Althund, wie es ihre Gewohnheit ist, einige Nasenlängen vor der Truppe. Der Rülpe ließ sogar nach einmaliger Deutlichkeit vom Frauchen von einem kleinen Haufen Dönerkraut ab, den er aufgestöbert hatte.

Heute brauchte es nur ein leises Brummeln vom Althund und der Rülpe akzeptierte, dass es für die täglichen Erpeleien 1 noch zu früh war. Er hat sich zwar sehr charmant bemüht, nahm aber die Schläfrigkeit seiner Dame großmütig hin. Auch die Nummer mit der Aufmerksamkeitslenkung, wenn im Oberstübchen wieder ein offensichtlicher Kurzschluss herrscht, klappt immer besser. Gottseidank ist der Rülpe – wie alle Teenies – heiß auf neue Reize und vergisst – wie alle Teenies – prompt, was er zwei Minuten vorher schon begutachtet hatte. Das erleichtert das Leben ungemein. Alles in allem heißt es jetzt nur, Augen zu und durch!

Voll auf Punk!

Die brave Klopapierrolle wähnte sich in Sicherheit. Wie es sich gehörte, hatte sie sich nach der Tagesschau in ihr kleines Reich im oberen Badezimmer zurückgezogen und machte sich für die Nacht bereit. Der Abend war ruhig verlaufen, selbst das Altpapier in der Küche hatte seine feucht-fröhlichen Feiern ausnahmsweise zu einer gemeinverträglichen Zeit eingestellt.

Aber es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem pubertierenden Nachbarn nicht gefällt. Der pubertierende Nachbar – klar, es ist der Rülpe, wer sonst – war wieder einmal auf seinem Anti-establishment Trip. Wider die bürgerliche Gemütlichkeit zog es ihn unruhig durch die Räume, auf der Suche nach… tja, frisch gestrichene Wände, die man beschmutzen könnte; Vorgärten, in die man pinkeln könnte; zarte Jungfrauen, die man zu hedonistischem Vandalentum verleiten könnte. Leider fand er nichts dergleichen. Aber da saß diese Klopapierrolle. Die Menschen und der Althund waren unten beschäftigt und die Klopapierrolle schon angemessen eingeschüchtert, als der Rülpe mit Zerstörungsglut in den Augen im Badezimmer ankam. Sie hatte ihm nichts entgegenzusetzen. Ihre Schreie verhallten ungehört, während der Rülpe sie auf dem Bett zerfledderte. Warum auf dem Bett, Rülpe? Hast du dich nicht getraut, dein böses Spiel in der Öffentlichkeit zu treiben? Hattest du etwa eine vage Ahnung, dass die Menschen das Klorollenmassaker nicht sonderlich lustig finden würden? Das kann man sich kaum vorstellen, angesichts des stolz-trotzigen Gesichtsausdrucks, den du aufgesetzt hattest, als man dich in flagranti erwischte. Hat es dir leid getan? Flackerte ein kleiner Funken Einsicht in deinem abgeschalteten Frontalkortex? Offensichtlich nicht, denn gestern Abend musste die Tapete dran glauben!