Schon fast ein Jahr mit den A-chens

Letztes Jahr um diese Zeit haben die Menschen hektisch die Kahnawake Homepage und die Mails aktualisiert, um bloß keine Entwicklung zu verpassen. Jeden Tag konnte es so weit sein! Die Welpen kommen bald auf die Welt! Drei Monate Ein Jahr später fiebert das Rudel dem ersten Hundegeburtstag entgegen. Der Rülpe ist derzeit sehr schmusig und regressiert phasenweise in Welpenverhalten zurück (zum Beispiel vergisst er oft, auf drei Beinen zu pieseln). Was liegt da näher, als in den gesammelten Fotoalben zu schwelgen?

Der tolle Hund

„Ach, was ist das für ein toller Hund!“ Das hört man mit dem Rülpen an der Leine häufig. Die Leute haben ja keine Ahnung, wie toll er ist. Sicher, denn sie sehen nur einen hübschen Rüden, nicht den hoch unterhaltsamen, frechen und pfiffigen Rülpen, den wir alle so gern haben. Was hat der Rülpe diese Woche alles tolles getrieben?

Die Woche fing gut an, denn Frauchen hatte mehrere Liter Fleischbrühe gekocht. Die ausgekochten Fleischknochen und das Suppengemüse gibt es für die Hunde, das hat der Althund vor ein paar Jahren so beschlossen. Das Beitragsbild zeigt den Rülpen in höchster Konzentration, wie er dem Frauchen beim Kleinschneiden der Beinscheibe auf die Finger schaut. Bis es zu dieser Szene kam, hatte er schon mehrfach versucht, die Menschen zum Aufstehen zu bewegen. Einmal vor Sonnenaufgang, später nochmal als es schon hell grau war. Nachdem er die Menschen in die Vertikale bekommen hatte, lief er aufgeregt wedelnd zur Treppe, wartete ungeduldig auf die Zweibeiner und miepte aufmunternd. So ging es im Lassimodus weiter, denn Timmy war in den Brunnen gefallen die Beinscheibe war ausgekühlt und fressbar. Er machte sein Ansinnen dann auch unmissverständlich klar, indem er stocksteif vor dem Topf mit den Suppenzutaten sitzen blieb. Man kann also zuversichtlich sein, dass der Rülpe mal Hilfe holt, sollte den Menschen was passieren und sie eine Beinscheibe um den Hals hängen haben. Wie beruhigend!

Heute war der Rülpe wieder toll, nämlich beim Training. Es galt, ein bisschen an der Kondition zu arbeiten, ein Fahrtenspiel und etwas Bergtraining waren angedacht. Die gute Nachricht zuerst: Den Rülpen muss man bergauf nicht antreiben. Er stürzt die Hänge hoch, so schnell er kann, und zieht wie ein Weltmeister. Die schlechte Nachricht: Der Mensch muss da auch hinterher kommen. Das Frauchen kam so unerwartet zu mehreren hochintensiven Intervalleinheiten, was ja auch nicht verkehrt ist. Tempowechsel klappen von Mal zu Mal besser, die Lerngeschwindigkeit des Rülpen ist faszinierend. Ganz nebenbei wurde die Wochenaufgabe aus der Hundeschule gemacht, die darauf abzielte, die Rollen im Team klar zu verteilen. Der Rülpe kann – wenn er ansprechbar ist – sehr dankbar seinen Platz auch draußen einnehmen.1 Heute war er ansprechbar und hat sich lehrbuchmäßig entspannt, nachdem Frauchen ihm verklickert hatte, dass sie sich um das verdächtige Rascheln im Gebüsch kümmert.

Der Rülpe hat zudem ein tolles, großzügiges Wesen. Weil er so viel Spaß im Wald hatte, musste er den mit der halben Stadt teilen! Die Verkehrsinsel auf dem Heimweg ist üppig mit Wildkräutern bepflanzt, die jetzt im November vertrocknet sind und lustig knistern. Zum Amüsement der versammelten Autofahrer räkelte er sich mehrere Ampelphasen lang vergnügt über die Verkehrsinsel. Noch zuhause musste Frauchen Ähren von seinen Ohren pflücken. Wie kann man so einem Hund widerstehen?

 

 

Nie wieder einen intelligenten Hund!

[Frauchen seufzt entnervt]

Es ist so. Der Rülpe mag die Fellpuschen, nein, er liebt die Fellpuschen, mit jeder Faser. Er möchte direkt eins werden mit den Fellpuschen, weshalb er sie klaut und zu fressen versucht. Keine anderen Schuhe interessieren ihn, er will nur Fellpuschen, genauer Frauchens Fellpuschen.1

Nun ist folgendes passiert. Beim Aufräumen fand Frauchen den Witwer des letzten Paares Fellpuschen, das dem niedlichen Welpen zum Opfer gefallen war. Da wollte sie Zugeständnisse machen, ich geb dir das Elsass, du lässt mein Ruhrgebiet in Ruhe. Ungefähr so. Am Wochenende sind nämlich neue Fellpuschen eingezogen, noble Fellpuschen mit Design und besonderer Molligkeit. Bei dem nasskalten Wetter sind sie höchst willkommen und Frauchen wird es auf Dauer nicht durchhalten, sie zu verstecken und sicher wiederzufinden. Gleich am ersten Tag wurde der Linke in die Höhle des Rülpen verschleppt. Es musste also was passieren, Frauchen war bereit, das Elsass aufzugeben.

Und was ist passiert? Nichts ist passiert. Den Rülpen kann man nicht überlisten. Was will er mit einem alten Fellpuschen? Wo ist der Spaß darin, etwas zu zerstören, was man zerstören darf? Der Hausschuh liegt unberührt im Körbchen. Der Rülpe hingegen liegt gespannt vor dem Sessel auf der Lauer und wartet darauf, dass Frauchen die Füße hoch legt…

Appetit holen

So sollte jedes Wochenende laufen. Erst kauft man bei einem hervorragenden Käsehändler einen Haufen Käse, nimmt beim Gemüsestand noch ein paar Äpfel aus dem Alten Land mit, setzt sich dann mit dem Picknick neben eine Rennstrecke und guckt schwer arbeitenden Mushern zu.

Letztendlich waren das Frauchen und ihre Freundin schlau genug, den guten Stinkekäse nicht inmitten von aufgeregten Nordischen auszupacken.1 Appetitanregend war das Senner Schlittenhunderennen (Bielefeld) trotzdem. Nicht nur konnte das Frauchen mit glänzenden Augen die ganzen Teams, ihren Fuhrpark und den Rennablauf bewundern, nein, Uwe Radant hatte einen Stand aufgebaut. Wie gut, dass das Bargeld in der Börse limitiert war. Sooo viele unverzichtbare Gadgets für den Hundesportler! In modischen Farben und nach Größen sortiert. Seit Samstag laufen der Bubs und sein Frauchen vollständig in Weltmeistermontur – und wie der läuft! Die ersten kleinen Ausflüge mit dem neuen Bauchgurt haben so richtig Spaß gemacht. Er wird immer kommandofester und achtsamer. Sogar die Etappen am Berg, für die man sich auf einer Mudderstrecke nicht schämen müsste, manövriert er souverän. Jetzt heißt es für das Team, einigermaßen gesund durch den Winter zu kommen, üppig zu essen und fleißig zu trainieren, um dann im April beim Vulcanicross an den Start gehen zu können.

Nicht ohne meinen Rülpen!

Das Frauchen kommt heim. Sie ist manchmal alleine bei Mutti und Onkel Sisko und besitzt die Oberfrechheit, den Rülpen daheim zu lassen. Die Kahnawakes sind schon wenig begeistert, wenn sie zur Tür raus kommen und da kein Rülpe wartet. Zuhause drückt dann der Bub sein Missfallen aus.

Entgegen seiner Gewohnheit begrüßt er das Frauchen jedes Mal, wenn sie von ihrem Besuch zurück ist. Ernst schnüffelt er an den Ärmeln, den Händen und überall dort, wo Mutti -und Siskogeruch klebt. Dann schaut er dem Frauchen tief und vorwürfig in die Augen und schnaubt.1 Das geht natürlich nicht, dass wer weiß was ohne seine Aufsicht getrieben wird. Spaß womöglich! Um sich wieder einzuschleimen, muss Frauchen schon tief in die Tasche greifen. Mindestens eine Scheibe Schinken, möglichst noch eine Spieleinheit oben drauf oder eine Runde Laufen. Sonst lässt er sie seine tiefe Enttäuschung den ganzen Tag spüren…

This little Husky…

This little Husky came for a visit,

this little Husky tagged along.

This little Husky had all the goodies,

this little Husky had none.

And this little Husky cried „YAY YAY YAY!!“ all the way home.

 

Daily statement:

Three hours of family fun, probably two dead mice (that I know of), one looted goody bag,1 four of the new roses fertilised *cough**cough*, three munched branches, one crushed ego2 and a fabulous 10km run home! Bubbles did very well today, and tomorrow is a rest day.

 

Ausgetrickst

Ahh, Feierabend. Zeit, um die Füße hochzulegen. Frauchen sitzt im Sessel und liest. Der Rülpe kommt vorbei, um seine Zuneigung auszudrücken.

Rülpe (legt den Kopf auf Frauchens Knie): „Oh, Frauchen! Du bist das allerallerbeste Frauchen!“

Frauchen (kratzt entzückt seine Ohren): „Oh, Rülpe! Was bist du wieder niedlich!“

Rülpe (schmusig): „Jaja, da hinten juckt’s besonders übel… mehr nach rechts.“

Frauchen (verträumt): „Was für weiche Ohren du hast!“

Rülpe (plötzlich etwas abwesend): „Hmhmm, ja. Ok, danke, reicht.“

Der Rülpe marschiert flott aus dem Zimmer. Aus dem Flur hört Frauchen das charakteristische Geräusch von Rülpenzähnen auf Fellpuschen.

Frauchen (mit heiligem Zorn und nur einem Fellpuschen an den Füßen): „RÜLPE! DU AAS! SPUCK SOFORT MEINEN FELLPUSCHEN AUS!“

Rülpe (spuckt mit Unschuldsmine den Fellpuschen aus): „Hä? Der Fellpuschen liegt da nur ganz zufällig… jetzt reg dich mal nicht so auf.“

 

Wieso bist du denn plötzlich so groß?

Oder auch „Du warst so ein possierlicher, winziger Welpe, mit einer Hand konnten wir dich tragen!“. Oder „Wie ist das denn passiert, dass du jetzt so ein Rüde bist?“. Oder „Das ist noch gar nicht so lange her und wir mussten dich spätestens um 7 zum Klogang tragen.“1 Oder „Weißt du noch, als wir dachten, dass du für immer im Zahnwechsel bleibst?“. Oder „Was für einen Schiss du vor anderen Hunden hattest, das wär jetzt ab und zu mal wieder nützlich.“ Diese und ähnliche Sätze fallen derzeit täglich im Rudel. Dabei schauen die Menschen seufzend auf Iris gesammelte Welpenalben und sind ein bisschen wehmütig. Ach, was ist die Zeit schnell rum gegangen! Die A-chens waren gestern genau 11 Monate alt!

Teddy Evolution

Was sehen Welpen auf Bildern niedlich aus! Das Menschengehirn ist ein hervorragender Vervollständiger, insofern wird dem visuellen Reiz allerlei haptische Information darüber zugewiesen, wie perwollweich-flauschig-plüschig das kleine Bündel ist. Welpen dufteten auch nach Milch und Honig in Frauchens Kopf… Jaja, so ist das mit der Fantasie und der Realität. Die trifft einen meistens recht hart und unerwartet.

Der Rülpe stank nach Salami (die billige Sorte) und fühlte sich an, wie ein abgegriffener Jahrmarktsteddy. Das Frauchen hatte so einen mal am Schießstand gewonnen, er war eine höchst wertvolle Erinnerung an das eine Mal in ihrem Leben, dass sie was getroffen hatte. Made in China. Als der Rülpe noch ganz klein war, traf das Fell an den Ohrenspitzen auch so schief zusammen, dass es aussah wie eine Naht. Was machten sich die Menschen lustig, dass die Kahnawakefabrik wieder den Praktikanten an die Nähmaschine gelassen hatte…1

Die Naht verwuchs sich und das weiche Deckhaar machte das Babyfell um einiges flauschiger. Dazu hat er fast nichts von der Unterwolle verloren, sondern ständig neue Lagen produziert. Der Pelz wurde immer dichter und seidiger. Und wie der Welpe größer und kräftiger wurde, kamen Muskeln unter das Fell, die den Hund endlich so knuddelig machten, wie das Frauchen sich das vorgestellt hatte. Er ist heute genau 330 Tage alt und perfekt perwollweich-flauschig-plüschig. Zwar wiegt er 27kg, was das gemeinsame Knuddeln auf dem Sofa etwas unbequem macht, aber die Realität wurde trotz allem von der Fantasie eingeholt. Unfassbar! Er ist ein lebendiger Teddybär geworden! Von der teuren Sorte, Made in Germany! Leider geht seit vorgestern der erste große Fellwechsel los. Der Traum hat nicht lange gehalten.

Zweite Prägephase

Die letzten schönen Tage hat der Rülpe im Garten genossen. Eine faire Erholung zum morgendlichen Drill, denn die Reizverarbeitung ist weiter äußerst fragil und der Rülpe ohne hartnäckige Erziehungsmaßnahmen draußen nur mit Maximalkraft zu führen. EIN BLATT! WOA! EIN GERUCH! NOCH EIN GERUCH! EIN REGENWURM!!!11 WAS, WIESO HÄNGT DA EIN MENSCH AN MIR DRAN? Wehe, wenn ihm in diesem Zustand eine Beute oder ein anderer Hund vor die Füße fällt. Die Menschen freuen sich an jeder Minute, in der es gut läuft. Manchmal ist es sogar mehr als eine Minute – gestern hat er sich vorbildlich am Frauchen orientiert, als er zum erstem Mal über den hektischen Bahnhofsplatz musste. Heute früh ging es sogar über fast 30min an lockerer Leine. Aber dieses wohlerzogene Image kostete, nichts im Leben ist umsonst. Die Menschen haben mal wieder den Kardinalfehler begangen und – fokussiert auf ihren Terminplan und ihre ganzen Aufgaben – den Rülpen in höchster Agitationsstufe raus geschafft. Klassischer Fall von Eigentor. Und dann war auch noch eine Tour zum Schreibwarenladen geplant. In der ersten Semsterwoche, wenn verpleite und verkateterte Studenten sich im Im-Weg-Rumstehen überbieten.1 Na, Gottseidank ist nach einigen Jahren bei unserer Judith was hängen geblieben. Das Rudel trennte sich. Der Rülpe ging zwar weiter durch die TOTAL AUFREGENDE Stadt, aber eine weniger frequentierte Strecke und in seinem Tempo. Sobald man ihm genug Zeit gibt, sich in Ruhe umzuschauen und alle Eindrücke zu verarbeiten, ist er wieder ganz handzahm. Das heißt leider, dass wir als Gassibegleiter momentan ungeeignet sind, denn ein normales Hundetempo hält der Rülpe nicht entspannt durch. Verdammt seist du, zweite Prägephase, möge dich der Blitz beim … treffen!

Im Haus hingegen ist der Rülpe der lustigste, zugewandteste und freundlichste aller Mitbewohner. Natürlich kommt es auch mal zu einem Streich (mit Frauchens geliebten Fellpuschen – immer sind es die Fellpuschen oder eine Klorolle, immer!). Ansonsten liegt er schnarchend auf dem Rücken oder pfötelt charmant mit seiner Bezugsgruppe. So hat das ganze Rudel emotional was von seiner Pubertät, himmelhoch jauchzend, zum Platzen gespannt in unter einer Stunde.