Mannbarkeit

Es geht also los. Teenage Mutant Ninja Husky reckt seine hässliche Fratze am Horizont.

Als der Welpe einzog, bekamen die Menschen von Iris und Helmut eine Tüte voll mit Goodies und dem lustigen Aufdruck „Ohne Husky ist alles doof. Wald: doof. Wiese: doof. Sonne: doof. Spazieren: doof“. Der Welpe hat momentan dieselbe Laune wie ein Mensch ohne Husky: Alles ist doof.* Megadoof. Doofomatronic. Still sein: doof. Frauchens Zehen nicht abbeißen: doof. Vergammelten Salat liegen lassen: boa, Alter, dooof. An der Leine gehen, ohne mit dem Althund zu spielen? DOOF! Man lebt wie in einem Trump Tweet.

Zudem fruchtet langsam die Sozialisation durch den Althund und der will-to-schabernack ist sehr dominant. Das Beitragsbild zeigt ihn, wie er auf der Suche nach mehr Bananen – das ist das aktuelle, de rigueur Diebesgut – den Schreibtisch überfällt. Ein Tag ohne Streich ist ein verlorener Tag, denkt der Welpe wohl. So wird es weitergehen, bis die Frauen interessant werden. Vermutlich wird er zur nächsten Hundestunde nach den Ferien der schönen Ruby eine angenagte Bananenschale mitbringen.

… und das fällt jetzt erst auf: Er ist der einzige Rüde in einer Truppe voll mit Mädels!

 

*Alles außer sich draußen im Schlamm wälzen, mit dem Althund spielen, mit dem Althund raufen, Fressen, egal was.

Größenwahn

Der Althund war völlig übergeschnappt. Huskywahnsinn heißt das im Rudeljargon und es tritt meistens in den ersten zehn Minuten eines Gassis auf, allerdings nur sehr selten in dieser Intensität. Die Suppe hatte sich Frauchen eingebrockt, als sie das Hundefutter mit Spargelsud tunte, damit alle Zweifel, wer die wichtigsten Hunde im Viertel sind, ausgeräumt würden. Jetzt ging es ans Auslöffeln.

„MUA-HAR-HAR! SIEHE GNOM, ICH BIN MÄCHTIG!“, dröhnte der Althund in seiner besten Christopher Lee Impression. Die Augen waren weit aufgerissen, die Pupillen winzige Punkte im eisblauen Meer. Der Althund machte einen Satz in die Lücke zwischen den Strohballen auf dem Feld. Man hörte es heftig rumpeln. „DIE EINHÖRNER MÄUSE GEHÖREN MIR, MIR ALLEIN!“ Abwechselnd killte der Althund eine Maus, pflügte durch die Wiese, sprang in Abwassergräben oder drehte wilde Kreise um den Rest seines Rudels. Am unteren Ende eines Hügels erspähte sie einen Tümpel (schon leicht brackig, weil es seit Wochen nicht mehr geregnet hatte). Mit Überschallgeschwindigkeit raste sie in den Teich, schwamm zwei Runden, rannte raus, schüttelte sich und preschte direkt wieder rein.

Der Welpe sah und staunte. Ja, das fand er schon sehr beeindruckend und schickte sich an, es dem Althund gleichzutun. Ein bißchen weniger athletisch, aber nicht minder wahnsinnig folgte er in den Spuren des Althundes. Kurze Zeit später hatte der Welpe sich in den Gräben getunkt, im Teich gebadet und sich nass auf einem trockenen Feld gesuhlt. Er war ganz und gar braun und stank. Stolz kam er zum Frauchen angetrabt, um sein Werk zu präsentieren. Im Gegensatz zum Althund war diese nicht sehr begeistert, aber er wurde von seinem großen Vorbild mit ausführlichem Fangenspielen belohnt. Die Huskies waren denn auch nur schwer wieder in die Bude zu bugsieren. Das Spielen wollte auch an der Leine nicht aufhören und Nasenabtatscher, Beinbeißer und Hinternrempler wechselten sich zwei Kilometer lang ohne Pause ab. Dabei vermischten sie sehr effektiv ihren individuellen Dreck und entgegen aller Naturgesetze kamen die Huskies noch wutziger in der Bude an, als sie im Tümpel gestartet waren. Das Ganze machte dem Welpen dermaßen Spaß, dass „wie saue ich mich am schnellsten ein“ zum Wochenmotto erklärt wurde!