Unser Hof

Bis Mitte November haben wir in einem freistehenden Einfamilienhaus im Marburger Stadtteil Wehrda gewohnt, einem Haus mit großem Garten direkt am Wald am Rande eines hübschen kleinen Tals.

Dann bezogen wir einen über hundert Jahre alten Fachwerkhof mit Wohnhaus, großer Scheune und weiteren Nebengebäuden umgeben von einem großen Wiesengrundstück, durch das ein Bach fließt. Im Dorf werden wir auch mit dem Hofnamen, Ätches, gerufen. Für uns ein Zeichen, dass wir und unsere Hunde in dieser kleinen Gemeinschaft gut aufgenommen worden sind. Inzwischen gibt es hier eine kleine Gassigruppe, die uns in wechselnder Besetzung hilft, die Hunde in Bewegung zu halten. Zwei unserer Nachzuchten, Maya (Casilda of Kahnawake) und Diego, leben auch hier, eine dritte, Yepa (Donata of Kahnawake) im nahen Alsfeld.

Ruhlkirchen ist Teil einer kleinen katholischen Enklave in Hessen, dem Gericht Katzenberg, bestehend aus vier Dörfern. Dieser kleine Landstrich hat eine wechselvolle Geschichte, aber eine lange Tradition, auf die die Einwohner sehr viel Wert legen. 1971 schlossen sich diese Dörfer mit einem (evangelischen) Nachbarort zur Gemeinde Antrifttal zusammen. Obwohl die Entwicklung der letzten 50 Jahre nahezu alle Bauernhöfe zur Aufgabe gezwungen hat, gibt es hier noch einige ländliche Bräuche und einen starken inneren Zusammenhalt.

Unser Hof liegt im Oberdorf an der gleichnamigen Straße und trägt den rätselhaften Namen Ätches, der auf uns übertragen wurde. Das Wohngebäude wurde Anfang des 20. Jhs. im Oberdorf gebaut, in direkter Nachbarschaft zur Kirche, die noch immer das Herz des Dorfes ist. Es ist ein zweistöckiges Fachwerkhaus auf einem Sandsteingeschoss. Die schöne Front ist auf die Kirche ausgerichtet. Die beiden anderen Seiten wurden (leider) in der Zeit, als Fachwerk als Armutsmerkmal galt, verkleidet.

Als vor etlichen Jahrzehnten der Nachbarhof übernommen wurde, trug man dessen Wohnhaus bis auf das Sandsteingeschoss ab und integrierte den Bau in den Neubau der Scheune. Der Hof war zu dieser Zeit eines der größten Anwesen im Dorf und  wurde bis Anfang des 21. Jhs. als Bauernhof betrieben, zuletzt als Milchwirtschaft mit knapp dreißig Kühen. Davon ist – neben der großen Scheune und dem zu Garagen umfunktionierten Nebengebäude – noch der Ende der 1950er Jahre gebaute Stall erhalten. Hinter den Gebäuden befindet sich ein ausgedehntes Grundstück, teilweise mit altem Obstbaumbestand, durch das ein Bach fließt. Das Grundstück grenzt hinten an Wiesen und alte Gärten, wir haben also direkten Zugang in die Natur.

Abgesehen von einer Renovierung des Wohngebäudes mussten wir nach der Übernahme nicht allzu viel daran tun, denn es war gut in Schuss gehalten worden. Wir haben den alten Hausgarten etwas vergrößert und neu angelegt und am anderen Ufer des Bachs einen größeren Auslauf errichtet.

Unsere Hunde wohnen mit uns in Haus und Garten, außerdem nutzen wir den Auslauf und die Wege in der Umgebung für Spaziergänge, Wandern und Zugsport. Unsere Welpen werden in einem Wurfzimmer im Obergeschoss geboren, gleich neben unserem Wohnbereich, und ziehen von dort aus, sobald ihre Entwicklung es zulässt in eines der Wurfzimmer im Erdgeschoss und verbringen so viel Zeit wie möglich im Welpenauslauf im Garten. Aus der früheren Milchküche im Untergeschoss wurde unsere Futterküche und das allererste Badezimmer haben wir zum „Hundespa“ umfunktioniert.

Natürlich ist es ein bisschen meschugge, sich anstelle eines schicken Einfamilienhauses in einem schönen Wohnviertel am Rande einer Universitätsstadt einen alten Bauernhof in einem kleinen Dorf mit kaum 500 Einwohnern zu kaufen. Aber wir haben diesen Schritt nie bereut, denn wir und unsere Hunde sind hier heimisch geworden, heimischer als je zuvor irgendwo in unserem bewegten Leben.