Expertenrat für Welpenhalter

Der Welpe ist nun bald zwei Monate bei seinem neuen Rudel und die Menschen fühlen sich enorm expertenmäßig in der Welpenhaltung. Natürlich wurde im Vorfeld viel über die Hundeschule und Iris recherchiert, aber es gibt einige dunkle Themen, über die scheinbar niemand sprechen möchte. Es wird Zeit für eine gründliche Enttabuisierung!

Der Hundehalter im Allgemeinen – und der Huskyhalter im Besonderen – ist hinsichtlich der Beinmuskulatur im Verhältnis zur Normalbevölkerung bereits gut aufgestellt. Unzählige Kilometer werden bei Wind und Wetter abgerissen, oft kommen noch Jogging und Hundesport dazu. Und doch, und doch. Als Welpenhalter schmerzt die Sitzfläche in ungeahnter Intensität. Ein Muskelkater, der nicht enden will, greift um sich.

Aber, was?, wird sich der Welpeninteressent fragen. Mit Welpen sitzt man doch nur andächtig auf dem Sofa und puschelt die kleinen Welpenohren? Diesen alternativen Fakten sind auch die Menschen aufgesessen, und sie haben sich als billige Verkaufsmasche entpuppt. So ein Kahnawakewelpe legt im Schnitt 800g pro Woche zu. Aktuell bringt der Welpe 14,8kg auf die Waage. Das sind 14,8kg, die an einem ereignislosen Tag bis zu acht Mal über Treppen, Gartenmauern und ins Auto gewuchtet werden müssen. 14,8kg auf sehr kleinem Raum, man muss sich schon tief bücken. Und wenn der Welpe zwar Pieseldruck anzeigt, aber zu faul ist, um aufzustehen, müssen diese 14,8kg vom Boden gekratzt werden. Dabei sprechen wir noch gar nicht von den unzähligen Putz- und Saubermachaktionen bei einem Winterwelpen, dem Kuhfladen-aus-dem-Maul-fischen und hektischer Kontrolle, ob das noch Dreck oder schon die erste Zecke war.

Das alles beansprucht die Oberschenkel und den geplagten gluteus maximus. Das Frauchen möchte zur Verhinderung weiterer Muskelschmerzen zukünftigen Welpenhaltern folgende Vorbereitungsphase anempfehlen:

  1. Muskelaufbau mit Kniebeugen (squats), Ausfallschritten (lunges) und Hochstemmen aus der Hocke (deep squats), mindestens drei Mal täglich, mindestens 100 Stück pro Set, für mindestens drei Monate. Gerne auch mit trächtiger Hündin als Zusatzgewicht, viel Bewegung bekommen sie ja sonst nicht. Dazu sollte man viel Eiweiß essen und viel schlafen, damit die Oberschenkel auf die kommende Belastung gut vorbereitet sind.*
  2. Richtiges und häufiges Dehnen. Vor und nach dem Welpenheben können 30min Yoga keinesfalls schaden. In Kombination mit regelmäßigen Saunabesuchen, dem Engagement eines formschönen Privatmasseurs und Franzbrantwein kann man bereits viel für die Entspannung der Muskeln tun.
  3. Magnesium, Vitaminkomplexe, etc. Alles, was die Apotheke hergibt, sollte der Welpenhalter bereitwillig schlucken.**
  4. Darüber reden. Das Stigma lässt sich ohnehin nicht verbergen, der breitbeinige Gang verrät den Welpenhalter sofort. Wir sollten uns nicht scheuen, offen zu unserem Muskelkater zu stehen und Spott mit sachlichen Argumenten zu widerlegen.

Das Frauchen wünscht allen Welpeninteressenten ein stringentes Training und zieht sich nun auf ihr Sofa zurück, wo der Welpe ihr bereits den Platz vorgewärmt hat den Tee aus der Tasse klaut.

* Das Positive an dem vielen Training ist, dass Hulk nicht mehr alleine beim Hosenkauf benachteiligt wird!

** Wie der Hulk sind auch Apotheker eine marginalisierte Gruppe. Es schadet nicht, ihnen auch etwas Zuwendung und Unterstützung zukommen zu lassen.

Die Welt ist ein Abenteuerspielplatz!

Juchu! Die Menschen sind krank! Sie hinterlassen eine Schleimspur wo sie gehen und stehen. Meistens liegen sie aber und können sich nur unter Ächzen und Stöhnen fortbewegen. Das heißt für den Welpen: Vorfahrt eingebaut!

Alles begann am Samstag optimistisch mit einem gemütlichen Gassi bei Onkel Sisko. Danach musste der Welpe vom Auto in sein Körbchen getragen werden, so müde war er. Noch war alles sicher. Das Herrchen hatte sich geschont und war schon fast über den Berg, aber noch sehr langsam. Und der Welpe musste ja auch die Fangspiele mit Sisko aufschlafen. Aber schon am Sonntag dämmerten dem schlauen Welpen die neuen Möglichkeiten. Auf Anraten unserer Judith wurde eine Box angeschafft, eigentlich mit dem Ziel, dass der Welpe sich dort zurückziehen kann und Ruhe gibt. Mit dem ersten Part war er auch einverstanden. Die Menschen passen nämlich nicht gut in die Box und der Althund hat schnell das Interesse verloren. Also kann man jegliche Beute mit wackelndem Welpenpopo dahin verschleppen und begraben.

Die Beute besteht momentan aus Frauchens Brille, ihren Socken, Herrchens Nasenspray (Gottseidank ist die Verschlusskappe wieder aufgetaucht, das Sauerkraut lag schon bereit), Frauchens Schlafbrille (die fünfte oder so, seit der Welpe eingezogen ist), den Kopfhörern (mhhh! Ohrschmalz!) und natürlich Konfetti, Konfetti, Konfetti. Weil das Frauchen das Bett hüten musste und der Welpe Beschäftigung brauchte, hat sie ihm gestern Objektpermanenz beigebracht. Super Leistung, Frauchen. Geniales Denken, von hier bis zur Nasenspitze. Jetzt kann man nicht einfach ein Kissen über die Habseligkeiten werfen und darauf vertrauen, dass sie später noch trocken sind.

Dem Welpen macht es großen Spaß, wenn die Menschen endlich Interesse für sein Spielzeug zeigen, findet das Herrchen. Das Frauchen muss dem zustimmen, so viel Unterhaltung wie momentan hat der Welpe selten.