Anonym

Hallo, mein Name ist Frauchen und mein Hund ist ein Rüpel. Sieht man ihm gar nicht an, ich weiß.

Ich fürchte, das ist alles meine Schuld. Ich war zu nachlässig. Die vielen Ballerspiele mit dem Althund. Wir haben mit ihm darüber gesprochen und ihm erklärt, dass das nicht nett ist. Er nickte auch ganz einsichtig, aber nur, damit wir mit der Gardinenpredigt aufhören. Er sagt, er möchte Rambo werden, wenn er groß ist. Rambo hätte ein gutes Leben, das will er auch. Immer im Wald sein, jagen können, wie man will, Freiheit, Ruhm. Was kann man da machen als Frauchen? So ein bürgerliches Leben als Sofahusky kann doch dagegen nicht anstinken.

Mein Hund hat sich gestern mit seinem Bruder geprügelt, völlig ohne Grund. 1 Er ist bei Iris und Helmut in den Garten, begrüßte Mutti und Sisko freudig und wohlerzogen und stürzte sich dann – beim ersten Anblick von Sammy – blutrünstig auf ihn. John Rambo fackelt auch nicht lange, sagte er später. Das ganze Huskygassi über pöbelte und provozierte er an seinem Bruder rum – wenn ich ihn nur losgelassen hätte, dann hätte er’s ihm richtig gezeigt! Dass er den vereinten Kräften von Sammy und Sisko nicht gewachsen war, hat ihn nicht interessiert. Einer nach dem Anderen und so.

Zuhause hat er sich als erstes mit dem Althund gezofft. Sie roch die Niederlage an ihm und hat mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg gehalten. Seine letzte Rettung, der, der ihn immer versteht, war Herrchen. Der verliert manchmal beim Golf und dann geht es ihm auch so schlecht. Herrchen musste trösten, was das Zeug hielt. Das Ego tat so weh wie noch nie. Das Ego ist immer noch grün und blau. Ich fürchte, der Hund wird jetzt extra viel trainieren, damit sowas nicht nochmal passiert.

Ein Jahr später…

Genau vor einem Jahr, an einem Sonntagabend im Januar, hatte Kiras kleiner Welpe seinen ersten Ausflug in sein neues Zuhause hinter sich. Er hatte sich im Auto von seinem Althund beruhigen lassen,1 draußen mit ihr die Welt entdeckt und drinnen getestet, wie oft man ihr in die Rute beißen kann. Ein Jahr später und es hat sich kaum etwas geändert. Der Althund scharwenzelt entzückt um ihre Sonne herum.2 Der Rülpe entwickelt immer neue Strategien, um an das Hinterteil vom Althund zu kommen. Und das Herrchen muss mit äußerster Strenge das Spiel abbrechen, damit die Bande endlich gassibereit ist. Wenn jetzt noch Sammy vorbei schaut, um sich mit seinem Bruder zu kabbeln, ist das Déjà-vu perfekt.

100%

Friederike machte auch in Mittelhessen eine kurze Stippvisite. Gottseidank sind wir glimpflich davon gekommen, auch wenn ein paar Bäume den Tag nicht überlebt haben. Die Huskies waren mit ihrem Frauchen gerade auf dem Weg in die Arbeit, als es allen dämmerte: Heute gab’s ja ne Sturmwarnung! Anfangs spielten die Hunde noch bei jeder heftigeren Böe – klar, mit Rückenwind springt es sich leichter auf den anderen drauf. Als dann später nicht weit vom Weg ein paar Bäume umkippten, verstanden sie, dass es jetzt ernst wird. Mit untyptischem Kadavergehorsam haben die Hunde das Frauchen zur Arbeit gezogen. Rechts und links wurden Dreckpfützen, kläffende Hunde und verlockende Stöckchen ignoriert. Hauptsache, schnell weg hier. Schön zu sehen, dass die zwei, wenn es drauf ankommt, kooperationsbereit sind. Die Staffel in Mittelhessen ist bereit, den Diphtherieimpfstoff entgegen zunehmen!

Zum Aufwärmen

Frauchen sucht eine Datei auf ihrem Rechner. Die hat sie zwar nicht gefunden, aber ganze Berge längst vergessener Welpenbilder vom Hoffotografen. Genau das Richtige, um sich das Herz wärmen zu lassen – wo doch bei dem Schietwetter sonst nichts warm werden will.

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Vorsätze über Bord!

Während das Frauchen ihre Emails bearbeitete, naschte sie ein paar Apfelschnitze. Das Versprechen, innerhalb von „genau 24 Stunden“ quasi Bitcoinmillionär zu werden, faszinierte sie dermaßen, dass sie den apart neben dem Schreibtisch sitzenden Rülpen übersehen hat. Nach einiger Zeit machte er, merklich genervt, akustisch auf sich aufmerksam.

Quäk! Quääk!!

*stups mit der Nase an*

Der Rülpe juckelte mit seiner Sitzfläche unmerklich weiter zum Frauchen und klimperte mit seinen Wimpern. Wie hypnotisiert hielt sie ihm einen Apfelschnitz hin, den er flugs entgegen nahm. „Mist, verdammter! Jetzt hat er mich!“, dachte sie entsetzt. Da kann man noch so energisch beteuern, dass Betteln in diesem Haus nicht belohnt wird. Eine unaufmerksame Sekunde genügt für einen Könner wie den Rülpen, um die Spielregeln neu festzulegen. Na, und jetzt ist die weitere Reise klar: Spätestens ab Fasching wird zwei Mal täglich frisch für den Rülpen gekocht.

Muddern mit Huskies

Heute war das Rudel Muddern. Muddern ist eine Freizeitsportart, bei der Erwachsene, meistens Läufer, Geld bezahlen, um sich auf einem Parcours mit verschieden farbigem Schlamm einzusauen. Das Frauchen fährt zum Bad Wolf Dirt Run, den sie sehr empfehlen kann, weil man jedes Jahr ein schönes T-Shirt mit einem Husky Wolf drauf bekommt. Die Parcours sind oft sehr ausgefeilt und müssen gebaut und in Handarbeit schlammig gehalten werden, weshalb das Startgeld hoch ist. Dieses Geld kann momentan leicht eingespart werden! Zwar fehlen in Mittelhessen noch die hüfttiefen Gruben, durch die man bei organisierten Muddern waten muss, aber der Wetterbericht macht Hoffnung. Wie die Bilder vom heutigen Ausflug zeigen, sind wir was den verschieden farbigem Schlamm angeht, schon im Geschäft. Die Schuhe sehen aus, wie sie nach einem Mudder auszusehen haben und der Preis, den man im Anschluss zahlt, ist auch derselbe. Zwei sehr indigniert schauende Huskies mussten aus ihrer eingetrockneten Schlammkruste befreit werden. Frauchen mag diesen Teil auch am wenigsten an dem ganzen Spaß.

Russisches Roulette

Zum zweiten Mal in sechs Monaten herrscht Land unter. Im Tal sind die gewohnten Wege kaum passierbar, wenn man nicht dem Tross von Kanalratten ans andere Ufer folgen möchte.1 Oben im Wald ist der Boden durch mehr oder weniger kontinuierlichen Regen seit Oktober so aufgeweicht, dass alle paar Meter knöcheltiefer Matsch wartet. Die Buddelstunden der Wildschweine helfen unter diesen Bedingungen nicht.

Insofern ist Canicross erstmal gestrichen. Die Kombination aus Matsch, Pfützen und mehreren Lagen feuchter Blätter ist zu heimtückisch für ein nennenswertes Tempo mit kraftstrotzendem Rülpen am Bauchgurt. Frauchens Knie wimmern schon resigniert, wenn es wie heute nur zu einer langen Tour durch den Wald geht. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, damit die Hunde ein bisschen Spaß haben. Der Rülpe suhlte sich auf der langen Wanderung nach Familientradition in diversen Pfützen, Pfuhlen und Tümpeln. Mutti wäre stolz auf ihn gewesen: Heute wäre er bestimmt unter die Top 3 der dreckigsten Hunde Marburgs gekommen!